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Das Problem an der Realität ist die fehlende Hintergrundmusik

Stimmt so nicht ganz. Manchmal ist die Realität nur zu laut um sie zu hören. Oder wir selbst sind es, die einen anderen Ton angeben.

 

Mein Reisebericht über Nizza - ein Fail jagt den nächsten. 

Zugegeben, es war wirklich ein bedrückendes Gefühl...allein in ein anderes Land zu fliegen. Jede anstehende Reise ist noch immer eine Überwindung für mich. Zum einen gibt es enorm viele Verbindungen zwischen dem Reisen und einer vergangenen Beziehung, die unweigerlich immer Erinnerungen hochholen. Zum anderen ist es eine Angst, die sich kaum beschreiben lässt. 

''Like a bird she tries to fly, to live her life.''

Wie ein Vogel der erst zu fliegen lernt, wenn er das Nest mit einem Sprung in die Unsicherheit verlässt.

Als ich im Flieger saß, die Triebwerke starteten und das Flugzeug abhob überkam mich eine Flut aus Erinnerungen und Schuldgefühlen...die sich in dem Moment in Luft auflösten, in dem wir die Wolkendecke über Graudeutschland durchbrachen. Über den Wolken scheint immer die Sonne...das sollten wir nie vergessen. 

 

TAG 1 

Nach gerade einmal 2h Flugzeit landeten wir. Ich hatte vorab schon einen Transfer zum Hostel gebucht. Unnötig, kostete 40€ für hin & rück...beim nächsten Mal werde ich mich vorher über das hiesige Bus-&Bahnnetz informieren. Das Hotel (Ozz - Multiculture)  kann ich nur empfehlen ! Eine Woche im frisch renovierten Hostel inklusive Frühstück für nur 100€ sind wirklich geschenkt. Ich teilte mir das Zimmer mit drei weiteren Frauen, die allerdings ständig wechselten. Sicherlich ist ein Mehrbettzimmer mit einigen Kompromissen verbunden. Aber wie sagt man so schön '' Das Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone''. 

Der restliche Tag bestand hauptsächlich aus Nahrungssuche und einem ausgedehnten Promenadenspaziergang. 

 

Nizza ist eine wahnsinnig herzliche, weltoffene und lebendige Stadt. Die Stadtparks schließen nahezu aneinander an, sind sehr liebevoll hergerichtet und vermitteln kein ''like-a-boss-feeling'' sondern Charme. Vor allem Kindern wird an jeder Ecke mit natürlichem Flair Neues zum entdecken geboten. 

Das Wasser macht dem Namen ''Cote d'Azur'' alle Ehre. Sauber und Azurblau funkelt einem das Meer entgegen. Wenn es dunkel ist geht das bunte Leben im wahrsten Sinne weiter oder erst richtig los: bunt beleuchtete Fontänen und Figuren auf meterhohen Säulen zieren die Innenstadt - zahlreiche Musiker unterhalten die Menschen openair. Ich liebe diese Stadt schon jetzt !


TAG 2 

Am nächsten Tag ging es früh raus...schließlich musste ich mein vermeintlich gemietetes Auto abholen. Vermeintlich. Lisa hatte sich im Datum geirrt und zog ohne Auto wieder ab. An dieser Stelle: ich hoffe niemals in die medizinische Notlage zu geraten, in welcher man mich nach Tag und Datum fragte. Die Diagnose 'Demenz im Anfangsstadium' wäre mir sicher.

 

TAG 3 

Nächster Versuch am dritten Tag,dieses Mal mit Erfolg und einer Menge Adrenalin im Blut. Es ging Richtung Norden zu den Georges du Verdon. Diese Region nennt man auch die Canyons von Europa - zurecht. Unbefestigte Straßen nahe Abhängen von 200-300m Tiefe ließen Kindheitserfahrungen aufkommen (schon mal GTA gespielt? nur dass mein Auto nicht fliegen konnte ;D).

 

Nach 2h Fahrt, einer Menge einzigartiger  Bilder und tollen Eindrücken kam ich FAST am Ziel an. Genau, fast. Denn bei 95% der Strecke war die Route gesperrt. Da ich mich im Gebirge befand, welches durch eine kilometerweite Schlucht von jeglicher Zivilisation und Umwegen getrennt war hieß es: umdrehen. 

Die Maximalkilometer waren dann auch bald verbraucht. Ich wählte eine andere Tour nach Nizza zurück und sah noch mal eine ganz andere Seite Südfrankreichs...it feels like Canada! Fehlten nur noch die Elche, die die Straße kreuzten.

Fazit für mich: die Angst im Ausland selbst zu fahren und Verantwortung zu übernehmen ist unbegründet gewesen und abgelegt. 

 

Pessimisten würden nun behaupten, ich hätte 160€ für einen Tag Autofahren ohne Ziel hingeblättert. Dass ich auch ziemlich abgezockt wurde was das finanzielle Budget angeht, will ich auch gar nicht bestreiten. Ich persönlich würde die Sache aber trotzdem anders formulieren: einen privaten Roadtrip über 6h für 160€...dafür zahlen andere 800€ aufwärts ;)

 

Heute ist Tag 4 und ich sitze gerade an der Küste in Antibes (Leute, das Bus-&Bahnnetz an der gesamten Küste entlang ist wirklich perfekt ausgebaut und günstig!). Frühstück gab es auf Felsen in der Brandung statt im 5***** Hotel. Die Stadt ist eine der ältesten, die man an der Cote d'Azur findet und so fühlt es sich auch an, wenn man die Promenade entlang schlendert. 

 

''Zurück in Nizza verbringe ich den Abend dann wieder in der Innenstadt, bis ich später am Abend noch zum Strand runterschaue.

Morgen werde ich noch nach Monte Carlo rüberfahren und mir die Stadt der Schönen und Reichen mal ansehen bevor es übermorgen dann zurück nach Deutschland geht''.


Der Abend vor der Abreise.  

Es ist November, ich sitze im Pulli bei 18Grad um 22.04 am Strand und schaue zum Sternenhimmel hoch...welcher hin und wieder von einer Möwe gestreift wird. Und ich weiß, meine Reise hat erst begonnen. 

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