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Ich gebe dem Moment Dauer - NICHT

In den letzten Monaten habe ich mich weitestgehend mit der Fotografie von Pferden & ihren Besitzern beschäftigt. 

Wenn ich mein Portfolio so ansehe, bin ich wirklich stolz einen so großen Schritt in kurzer Zeit gemacht zu haben. 

Doch oft fehlt etwas. Etwas, was einen guten Fotografen ausmacht. Etwas, was vor allem ein gutes Bild ausmacht.

 

Bilder sind unsere Art zu kommunizieren. Wir Fotografen sind Künstler. Künstler, die ihre Gefühle und Gedanken, gar ihr ganzes Wesen in einer besonderen Art zum Ausdruck bringen. Wir können anderen Menschen ermöglichen, die Welt durch UNSERE Augen zu sehen. Feinfühlige Menschen spüren sogar, was wir fühlten, als genau dieses eine Bild entstand.

 

 

Was fehlt denn nun?

Woche um Woche wurde ich unzufriedener. Jeden Tag zeigte mir Instagram Bilder von wundervollen Spaniern mit hübschen Mädchen in den tollsten Designerkleidern - am Strand von Renesse, im Watt in Dänemark oder oder oder. Wundervolle Bilder, die aber nur eines tun: Druck ausüben.

 

Das Gefühl fehlt. Sehe ich ein solches Bild berührt es mich nicht. Denn es hält einen Moment fest, der nicht ECHT ist. Ein steigendes Pferd am Strand, welches einfach seinen Job macht. Zehn Fotografen halten drauf, denn sie haben schließlich für dieses Bild viel bezahlt und sind hunderte Kilometer angereist. 

 

'' Ich gebe dem Moment Dauer'' 

Dieser oder ein ähnlicher Satz findet sich auf beinah jeder Homepage eines Fotografen wieder. Aber mal ehrlich, wie viel Wert hat es noch, Momenten Dauer zu geben, denen 10andere Fotografen neben einem ebenfalls Dauer geben? 

 

 


Halt Stop !

Genau das dachte ich mir, als mir bewusst wurde, was hier gerade eigentlich passiert.

Die Fotografie befindet sich im Wandel. Geld kommt nicht mehr hauptsachlich durch das Festhalten von Emotionen in die Kassen, sondern durch die Bespaßung von Amateurfotografen, die Unmengen Geld bezahlen um einem unechten Moment ''Dauer zu geben''.

 

Möchte ich das?

Nein ! 

Gerade in der Pferdefotografie nimmt der Boom an Portfoliotagen o.ä. immer mehr zu. Immer mehr Fotografen versuchen mitzuhalten und bieten TFP-Projekte ohne Ende an, um möglichst alle Follower bei der Stange zu halten. Der Prozess ist schnell, jeden Tag steigt der Druck oder die Angst, jemand anderes könnte die eigene geniale Idee (die noch KEINER vorher umgesetzt hat) doch zuerst umsetzen. 

 

Aus diesem Karussell steige ich persönlich nun aus. Ich möchte mir selbst treu bleiben, möchte beim Erstellen meiner Onlinegalerie wieder weinen müssen, möchte emotionale Texte veröffentlichen, die vom wahren Leben erzählen. Möchte reisen, weil ich reisen möchte und nicht um DAS schönste Pferd der Welt zu fotografieren. 

 

 

Als ich kürzlich die Rocky Mountains Horses besuchte, wählte ich intuitiv eine sehr düstere Art der Bearbeitung. Ich erkannte nicht gar nicht wieder - doch genau so gefielen sie mir am meisten. Die hellen Mähnen leuchten wie ein Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit. Diese Bildreihe, diese Pferde brachten mich wieder auf den richtigen Weg. Auf MEINEN Weg !

 

 

 

Authentizität an

Auf der Weide mitten in einer Herde aus 20Stuten inklusive Fohlen sitzen...Fotografieren was passiert, den Moment festhalten. 

Ich wollte euch diese Bildreihe der Rocky Mountains ohnehin bald vorstellen, und finde, dass genau dieser Anlass ein schöner und runder Abschluss der 0815-Pferdefotografie ist. 


Ich hatte eine Idee, und dann wurde alles ganz anders.

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Kommentare: 3
  • #1

    Nina (Freitag, 07 September 2018 18:00)

    Das hast du wundervoll geschrieben und du hast vollkommen recht :)
    Ich liebe deine Art zu fotografieren mach weiter so!

  • #2

    Hanna (Freitag, 07 September 2018 19:40)

    Du bringst es auf den Punkt. Toll geschrieben! Und deine Fotos sind der Hammer!

  • #3

    Angelika (Sonntag, 09 September 2018 10:08)

    Du hast vollkommen recht und dies wirklich sehr gut in Worte gefasst. Ich kann mich nicht ganz ausnehmen. Habe es aber mittlerweile ganz gut raus, in mich reinzuhorchen und zu spüren, wenn oh mich mal wieder vergaloppiere. Deine Bildserie ist wunderschön! Ich hoffe, dass sich mir auch bald die Möglichkeit bietet, Wildpferde fotografieren zu können, da ich es für eine inspirierende Erfahrung halte. Bin jedoch zur Zeit Reise technisch eingeschränkt.