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Selbstständig - selbst und ständig?

Bullshit!

  

Vor genau einem Jahr habe ich einen Artikel verfasst, welcher sich genau mit diesem Thema beschäftigte. Meine Auffassung damals: selbst und ständig , anders geht es nicht und anders will ich es auch gar nicht.


Meine Auffassung heute: das ist totaler Bullshit. Diese Meinung kursiert leider seit eh und Jeh in den Köpfen. Und das wird sicher auch noch einige Zeit so bleiben.


Dass es aber auch anders geht, habe ich selbst in den letzten Monaten kennenlernen dürfen. 


Rückblick 

2018 startete für mich nicht mit guten Vorsätzen, sondern mit der zweiten Therapie in meinem jungen Leben. Ja. Therapie. Meine Vergangenheit und vor allem mein Job hatten mich mit 23Jahren bereits zwei mal in die Klapse gebracht. 

Und soll ich ehrlich sein? Meiner Meinung nach braucht jeder zweite da draußen heutzutage psychologische Hilfe. Vielleicht keine Therapie, aber zumindest ab und an einen Rat. Und das ist weder verwunderlich noch sollte es jemandem peinlich sein. Unsere Psyche ist ein zartes Pflänzchen, sie erholt sich immer wieder, wenn wir mal drauf rumtrampeln. Sie trotzt Dürreperioden und sprießt sofort, wenn wir sie nur einmal wieder gießen.


Unser Körper besitzt nur einen Bruchteil der Kraft, die unsere Psyche uns verleihen kann. Achtung Zeitsprung - im Oktober 2018 ritt ich mit meiner Stute 250km durch halb Deutschland. Es ist Wahnsinn, zu spüren wozu der Körper in der Lage ist, solang der Kopf frei ist... die ganze Geschichte findest du in meinem Blogartikel „Zurück in die Zukunft“.


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Ich machte also die Therapie, ließ mich brav weiter voll bezahlen (verdammte sch**** JA, du darfst das System heutzutage auch mal zu deinen Gunsten ausnutzen! ) und fing vor lauter Freizeit an, mein Nebengewerbe aufzubauen. Und begriff gar nicht, dass der nächste Teufelskreis bereits begonnen hatte. Alle wollen mehr Freizeit - aber wofür? Freizeit ist nicht gleichzusetzen mit Langeweile. Es bringt überhaupt nichts, weniger arbeiten zu wollen, wenn man nicht schon vorher weiß, was man stattdessen machen will. So kam es zustande dass ich binnen eines Monats 20Shootings geplant und durchgezogen hatte. Jegliche freie Minute, die ich dazu gewonnen hatte, versuchte ich panisch mit Sinnvollem zu füllen...


Die Bilanz: 

Heute vor einem Jahr habe ich geschätzt 70-80h pro WOCHE gearbeitet. Ich war mit 35h pro Woche in der Pflege angestellt und schrubbte in meiner damaligen Firma zusätzlich 20-30Überstunden on top.

Mein fotografisches Nebengewerbe trieb ich so zielstrebig voran, dass auch dort noch einmal 20-30Stunden pro Woche zusammen kamen. 

Ich hatte überhaupt keine Zeit für Freunde, meine Tiere oder gar mich selbst. Und das schlimme an der Sache: ich dachte DAS WÄRE NORMAL.


Heute arbeite ich 20h/Woche in der Pflege und zusätzlich 20h/Monat in meiner Selbstständigkeit. Um es einmal konkret auszudrücken: ca. 8Tage im Monat + 4Tage zusätzlich in der Fotografie. Unterm Strich bleibt: sehr sehr viel Zeit für meine Tiere, für Freunde und vor allem FÜR MICH SELBST. Ich tue nie zu viel und erst recht nie zuwenig. Und falls irgendjemandem auch nur im Ansatz das Wort „faul“ durch den Kopf schoss... du musst dich jetzt nicht schämen, es ist legitim das zu wiederholen was einem sein ganzen Leben beigebracht wurde. In unserer Kultur (vor allem in der deutschen) ist es üblich, persönliche Opfer höher zu bewerten als persönliche Produktivität. Vielen Menschen fällt es schwer, den Wert ihrer Arbeit zu bewerten. Deshalb ist der allgegenwärtige Maßstab die (Arbeits)Zeit. Es ist NICHT faul, sich auf Dinge zu konzentrieren, die von größerer persönlicher Wichtigkeit sind. 

In meinem Fall sind das ein Gesundes Leben, täglicher Sport, meinen halben Bauernhof zu versorgen und mit meiner Stute zu arbeiten oder eben auch mein Nebengewerbe voranzutreiben. Meine Tage sind noch immer oft vollgestopft - nun allerdings mit Dingen, die ich liebe, nicht die ich verachte. 


Was ist passiert? Wie ist dieser Umschwung binnen weniger Monate möglich gewesen?


Die Rechnung für meinen körperlichen Raubbau kam recht schnell. Im Januar erst verließ ich nach erwähnter 6wöchiger Therapie vollkommen emotional gestärkt meine Heimat und lebte das erste Mal überhaupt MEIN eigenes Leben. Und rannte zeitgleich in das nächste Verderben. Schon im Juni kroch ich durch oben beschriebenes „Bis zum umfallen“-Gehabe auf dem Zahnfleisch. Unzählige Arztbesuche - „unklare Raumforderung im Bauch“ - Höllenschmerzen - Todesangst. Mein Körper streikte nach einigen Warnzeichen komplett. 

Es folgte ein weiterer Umzug. Die Hoffnung? Rettung. Doch das Problem zog mit: ich.


Doch zwei essentielle Dinge hatte ich gelernt: 

  1. man kann eben DOCH auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. 
  2. die wichtigste Währung ist nicht unser Geld, sondern unsere Zeit !

So ging ich das Risiko ein in meiner neuen Firma mit nur 50% zu starten. Das Einkommen reichte locker aus um meinen minimalistisch umgepolten Lebensstil zu finanzieren. An dieser Stelle sei gesagt: ich gehörte noch nie zu den Menschen, die ihr Geld an Wochenenden auf Partys oder für s Rauchen/Vapen (what ever) verpulvern, ausgiebiges Shoppen gibt es bei mir ebenfalls nicht und Frisörbesuche stehen bei mir maximal 2x im Jahr auf dem Programm. 


Doch meine Rechnung ging nur zur Hälfte auf. Denn ich hatte eins nichts bedacht: WAS fange ich mit meiner gewonnenen Zeit an? 

Ich brach nach kurzer Zeit schon in Panik aus, wenn ich mal einen Tag nichts zu tun hatte. Als geborenes Arbeitstier made in Germany steuerte ich gegen: freie Projekte en masse, Weiterbildung wo es nur geht, Termine Termine Termine. Umso voller mein Kalender, desto glücklicher mein Ego. 


Das konnte nur schief gehen. Und es ging schief. Ende 2018: Burnout 2.0

Mittlerweile DAS Wort der arbeitenden Gesellschaft schlechthin. Nicht nur mein Kopf war vollkommen im Eimer - auch mein Körper spielte wieder verrückt. Von Sodbrennen, Blähbauch, Schlafstörungen, Wassereinlagerungen, extremen Konzentrationsstörungen bis hin zur Akne des Jahrhunderts. 


Wenn dein Leben eine anhaltende Katastrophe zu sein scheint, dann nur weil du selbst eine bist.

Seitdem ich diesen Satz im Buch „Anleitung zum Unglücklichsein„ vor Jahren gelesen hatte, habe ich ihn immer wieder vor Augen, wenn mein Leben erneut aus dem Ruder läuft. 


Und heute?

Ende 2018 genehmigte ich mir einen radikalen Cut. Ich habe Instagram gelöscht, antwortete auf WhatsApp maximal meiner Mama adäquat und fotografierte 2Monate lang nur noch 1-2 Kunden im Monat. Keine freien Projekte.

Ich investierte das erste mal in MICH. Im Wochentakt besuchte ich Massagen, Heilpraktiker und Chiropraktiker. 

All meine Pickel verschwanden. Weder Verdauungsprobleme noch Schlafstörungen oder die Konzentrationsschwäche sind noch präsent. Ich lebe ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. 


Einen Wecker stelle ich mir nur noch, wenn ich den Sonnenaufgang fotografieren möchte. Ich bestimme selbst, wann ich arbeite. Und das wichtigste: ich bin reicher als Jeh zuvor, denn ich habe mehr ZEIT als Jeh zuvor. Für Freunde, Familie und meine Tiere. 


Meine Wege zu einem selbstbestimmten Leben:

  1. Du bestimmst deine eigene Realität. Wenn du sagst, du musst 40h/Woche arbeiten weil es die Gesellschaft so will, dann wird sich daran auch nichts ändern. Triff eine Entscheidung und arbeite für dein Ziel, nicht für das von jemand anderem.
  2. MinimalismusEin Buch, was ich dir wärmstens ans Herz legen kann ist: „Weniger ist mehr - Wie du mit Minimalismus dein Leben sinnvoller gestaltest“ (das mit der Ananas ;-) ). Es war der Anfang meines Weges und hat mir damals sofort zu mehr Zufriedenheit im Leben verholfen - es war einer der Grundbausteine, auf welchem ich heute beginne mein „Schloss“ zu bauen.
  3. Zeit ist NICHT Geld , denn Zeit bekommen wir weder zurück noch ist sie unendlich. Frage dich in den nächsten Tagen, immer, wenn du etwas anzweifelst oder eine klare Entscheidung gefordert ist: „würde ich das auch tun, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?“ In den meisten Fällen kannst du diese Frage sofort mit NEIN beantworten. 
  4. Finde deine Berufung. Oder fang zumindest erstmal an, sie zu suchen. Das geht mit Punkt drei Hand in Hand. Tue was du liebst und du musst nie wieder einen Tag arbeiten - das hat schon Steve Jobs gesagt. Seine Berufung zu finden ist nicht so schwer, wie es sich im ersten Moment anfühlt - und seine Berufung zu leben, nicht so utopisch wie es uns die Gesellschaft weiß machen will. Im Gegenteil, in deiner wahren Berufen steckt dein größtes Potential! In deiner größten Angst, deine größte Hoffnung. Think big - lass dich nicht länger klein halten. Weder als Selbstständiger noch als Angestellter ! 
  5. Alles geschieht zur richtigen Zeit, alles hat eine Bedeutung. Auch, dass du diesen Artikel hier gerade liest hat eine Bedeutung auf deinem Weg. Wir ziehen nur Dinge und Menschen in unser Leben, die uns selbst entweder ähneln oder auf dem eigenen Weg weiterbringen. Die also den selben Weg gehen oder bereits gegangen sind. 
  6. Mach dir vorher klar, was du mit deinem neuen Reichtum, deiner Zeit, anfangen willst. Nichts ist tödlicher als Langeweile. Für Überforderung sind wir Menschen gebaut, wir trotzen ihr lang und entwickeln im(Eu)Stress auch erst unsere volle Energie. Unterforderung dagegen ertragen wir nur schwer bis gar nicht.
  7. Erwarte etwas vom Leben ! Heute Arbeit - im Alter Ruhestand. Dieses Denken beruht auf der Annahme, dass du während deiner produktivsten Jahre etwas tun musst, was dir nicht gefällt. Als Lohn der Ruhestand? Ich bitte dich, sein Leben zu verschwenden ist durch nichts zu entlohnen. Das Leben ist hier und das Leben ist jetzt. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jan (Mittwoch, 06 März 2019 06:18)

    Hey Lisa

    Auf jeden Fall erstmal Respekt für deine Zeilen

    Gute Ansätze wie ich finde...weiter so

    Grüße aus Salzwedel