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25 ist das neue 18

Lass mich raten. Du hast die Überschrift gelesen und fühlst dich entweder angesprochen, weil du gerade selbst in dieser Lebensphase steckst oder zumindest schon einmal an einem Punkt im Leben gedacht hast, du seist ganz schön spät dran mit deiner beruflichen und persönlichen Entwicklung.

 

Unsere Gesellschaft steht schon seit ein paar jähren im Zwiespalt von alten Denkweisen & - mustern und neuen Gegebenheiten & Werten. Wir werden älter, sind länger leistungsfähig, können alles sein was wir wollen...wirklich?

Wir werden mit den Gedanken erzogen, mit 18Jahren erwachsen zu sein und spätestens dann schon einen Weg mit Ziel einschlagen zu müssen. Früher, vor noch gar nicht allzu vielen Generationen, war das schließlich so. Mit 16Jahren fing man seine Lehre an und mit Anfang 20 wurde schon über Familienplanung und Hausbau nachgedacht.Dass die Menschen, wie erwähnt, aber immer älter werden und sich so auch entwicklungstechnische Grenzen nach hinten verschieben wird häufig noch außer Acht gelassen.

Gehirn & Nervensystem sind zum Beispiel erst mit Anfang 20 komplett ausgereift. Was noch lange nicht bedeutet, dass auch die soziale Reifung in diesem Alter bereits vollzogen ist.

Der erste Job, die erste eigene Wohnung, das erste Kind, heiraten: Viele Schritte des Erwachsenwerdens, di noch vor wenigen Generationen direkt an die Schule anschlossen, verzögern sich heute nicht selten bis ins dritte oder sogar vierte Lebensjahrzehnt.

Woran liegt das?

 

Zum einen liegt das daran, dass Karriere zu machen ERST EINMAL (nicht generell) nicht mehr als so wichtig angesehen wird. Viele der heutigen Abiturienten nehmen sich nach der Schule erstmal Zeit für sich, reisen, machen ein soziales Jahr oder widmen sich anderen Freizeitaktivitäten. Sie wissen oft gar nicht, was sie in ihrem Leben verändern möchten und wohin sie sich entwicklen wollen.

Erfolg & Karriere reihen sich heutzutage oft hinter einem ruhigen Leben ein.

 

 

Das heutige Dilemma: Generation Vielleicht

 

Psychoanalytiker und Buchautor  H. Sage meint dazu: ''Auf der einen Seite wird die Welt immer anspruchsvoller, verlangt mehr Flexibilität und fordert Kompetenzen. Auf der anderen Seite will ein großer Anteil einer ganzen Generation nicht erwachsen werden.''

 

Die Schulzeit wird reduziert, immer mehr Wissen soll in immer kleineren Zeitabständen erlernt werden. Vergessen wird dabei aber meist, auf das wirklich wichtige im Leben einzugehen. 

Wer bin ich ? Was will ich ? Was brauche ich dafür ? Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Stellt sich nun also die Frage, ob die Beschleunigung der Bildungsreife (die wohlgemerkt auch systematisch von der Regierung ausgeht...immer früher sollen Kinder Englisch lernen und das gesamte Lehrziel kompakter werden) die Entschleunigung der sozialen Reife bedingt.

 

Die eigentliche Problematik an der Geschichte:

Die Lebensjahre bis 25 zählen zu den besonders fragilen. Etwa drei Viertel aller psychiatrischen Erkrankungen beginnen vor dem 25ten Lebensjahr. 

 

Wollen, oder dürfen wir nicht erwachsen werden? 

1. Ein Grund für das ständige hinauszögern von Verantwortung und Reife:

Die moderne Arbeitswelt. Sie verlangt und belohnt den jugendlichen Typ, der immer flexibel, offen und anpassungsfähig ist. 

''Die Neotenie ist eine Zeiterscheinung. Wir leben in einer komplexen, schnellen Mediengesellschaft. Ständig müssen wir Wachsem bleiben, schnell reagieren. Da ist es von Vorteil, wenn nicht sogar fast schon ein Muss, im Beruf ein jugendlicher, dynamischer Typ zu sein.'' so der Offenbacher Psychologe S. Baier.

Es kommt einem fast so vor, als wären einige Menschen schlichtweg damit überfordert, dass Beziehungen und Kinder nicht so strategisch planbar sind wie eine Karriere und auch viel schwerer kontrollierbar.

 

 

2. Negative Charaktereigenschaften, die unser gesellschaftlicher Wandel fordert

Ganz oben gelistet sind da: Oberflächlichkeit verbunden mit Unbeständigkeit. Dazu zählt auch das Unvermögen, Wissen zu vertiefen. Das Handy einfach mal einen Nachmittag nicht in die Hand zu nehmen um sich dauerhaft auf ein Thema zu konzentrieren...schier unmöglich. Oft weiß der Neotenist nicht, wo er hingehört und hat eine geringe Verwurzelung.

 

Sind wir verloren im Dschungel der ewigen Jugend ?!

 

Laut Psychologen zum Glück nicht. Denn auch wenn uns die Gesellschaft ein ewiges Jungbleiben abverlangt und wir die gewissen Vorzüge gerne länger nutzen als unsere vorherigen Generationen...setzt früher oder später bei jedem das Erwachsen-Werden-WOLLEn ein. Wir können also beruhigt sein und uns selbst den Druck nehmen, indem wir einfach abwarten und uns akzeptieren, wie wir sind. Und wie lange wir brauchen.

 

Manche Erkenntnisse benötigen mehr Zeit, manche sogar eine Ehrenrunde. 

Und das ist okay so.

Nimm dir mal den Wind aus den Segeln

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